Leidest du unter FOMO?
„Früher war alles besser“ – ein klassischer Ausspruch der immer mal wieder zu hören ist. In der Vergangenheit häufiger von der älteren Generation ausgesprochen, kommen diese Wörter nun auch schon das eine oder andere Mal aus unserem eigenen Mund. Die meisten werden den Gedanken teilen, dass es sich bei dieser Aussage eher um eine Art verklärte Romantik handelt als um die Realität. Was aber wahr ist, ist die Tatsache, dass sich mit den letzten Jahren unser Leben stark verändert hat, nicht zuletzt durch technische Innovationen wie Internet, Smartphone oder Tablet. Vieles kommt uns schneller vor als früher. Informationen, Absprachen oder Termine sind im Sekundentakt erhältlich. Noch in den 80igern war dazu mindestens ein Telefonat (natürlich auf dem Festnetz) erforderlich. Diese vermeintlichen Verbesserungen haben sich schnell etabliert. Kaum ein Mensch möchte sich ohne die oben genannten Innovationen aus dem Haus trauen. Soziale Medien, Messaging Dienste, LTE, G3 und Push/Pull Mail sind immer dabei. Dies hat viele Vorteile und macht so einiges einfacher. Ich selber möchte es auch nicht mehr missen. Was aber wenn aus den Vorzügen und Hilfen ein Zwang wird? Wenn das Smartphone alle 5 Minuten herausgeholt wird um zu schauen, was in der Zwischenzeit passiert ist? Und was, wenn ein unruhiges kribbeln durch den Körper geht, falls Smartphone und Co. nicht verfügbar sind? Dann leiden Sie ggf. unter „FOMO“.

FOMO steht als Kürzel für „Fear of missing out“ also die Angst etwas zu verpassen. Als Krankheit ist dieser Angstzustand bisher offiziell nicht anerkannt. Allerdings ist er trotzdem zu den Suchtkrankheiten zu zählen, ähnlich der Onlinespiele-Sucht. Wer sein Leben lang online durch die Gegend läuft vermisst eben etwas, dies mal nicht mehr möglich ist. Und auch die Älteren können sich schnell an die ewige virtuelle Präsens gewöhnen. Das Gefühl von Unwohlsein ohne diese Reize ist dabei sehr stark. Unruhe, schlechte Laune oder Aufregung sind oft beobachtete körperliche Symptome. Ergänzend der Drang dieses vermeintliche „Handy“cap schnellstens zu beheben, also wieder online zu kommen.
Damit treiben wir weiter und weiter in einer fiktiven Welt, die so oft von den schönen Bildern der Menschen um uns herum bestimmt wird. Erste Statistiken zeigen, dass ca. 50% der Nutzer sozialer Netzwerke betroffen sind. Das, was wir dann sehen verstärkt das Gefühl was verpasst zu haben dann oft noch mehr. Denn es sind ja all die schönen Bilder um uns herum, die scheinbar nur die Anderen erleben.
Betroffene merken oft diese Abhängigkeiten nicht, bzw. wollen sie nicht wahrhaben. Sozial anerkannte Argumente werden dagegen gehalten:
Ich muss ja beruflich erreichbar sein – ich erwarte eine wichtige Nachricht – die anderen können nicht ohne mich
Verständlich ist es; jedes Mal wenn wir Teil einer solchen Kommunikation werden wird unser Belohnungssystem im Gehirn aktiv und schüttet Dopamin aus. Davon wollen wir natürlich immer öfter was von haben.
Was ist die Konsequenz aus dieser Situation? Nicht nur, dass wir immer ein Auge auf dem Smartphone haben, wir bekommen auch immer neue Infos zu tollen Veranstaltungen. An diesen müssen wir dann natürlich auch teilnehmen um Teil dieser sozialen Gruppe zu sein. Entsprechend voll ist unser Kalender und stressig unser Leben. Was ebenso schade ist, unsere Mitmenschen um uns herum, die eher konventionelle Verabredungen treffen, werden oft vernachlässigt.
Was also tun?
Im Grunde, dasselbe wie bei anderen Suchterkrankungen auch. Erkennen, dass man in einer solchen Spirale sitzt ist das Erste. Regelmäßiger Umgang und Abstinenz ein weiterer Bestandteil. Freude und Belohnungen an bzw. für andere Aktivitäten und dann nicht zuletzt YOLO und zuletzt MOLO. Das steht nämlich für „You only live once“ und „Mystery of missing out“. Also mach lieber das wirklich Wichtige im Leben und nicht alles was dir vorgespiegelt wird. Last but not Least genieße es auch mal nicht erreichbar zu sein und nichts Neues wissen zu müssen.
Also leg los, ein Schritt ist immer der erste….
Maik Wickbold

