Ein Puzzleteil der Ellenbogengesellschaft

Es betrifft alle Gesellschaftsschichten, alle Berufszweige und fast alle Altersklassen. Schon früh werden wir auf ein Leben in Konkurrenz mit Anderen vorbereitet. Egal ob Kindergarten, Grundschule, Sportverein; in allen Bereichen bis nicht zu Letzt hin zu Studium oder Beruf.  Der Anspruch an uns als funktionierender Teil der Gesellschaft ist schon früh gegeben. Manchmal unterschwellig und subtil, oft aber auch sehr offen oder sogar gefordert. „Nur durch noch mehr Leistung wirst du es zu was bringen“. Wenn wundert es da, dass bei solcher Prägung wir sehr häufig uns zu dem Menschen entwickeln, der von der Außenwelt gefordert wird. Ich schreibe bewusst ein „wir“. Jeder von uns ist eingeladen sich einmal zu hinterfragen, in welcher Art und Weise auch wir selber zu einem Teil der Konkurrenzgesellschaft geworden sind. Dieses Hinterfragen ist doppelt wichtig. Es hilft nicht nur, die Perspektive zu wechseln und dadurch den eigenen Handlungsraum zu vergrößern, sondern es kann auch der erste Schritt sein, dass eigene Leben ggf. ein Stück lebenswerter zu machen.

Ich möchte nicht sagen, dass eine gute Leistung in Schule und Beruf schlecht ist. Im Gegenteil, etwas zu machen, was einen Spaß macht und was man dazu auch noch gut kann ist ein wesentlicher Faktor für ein glückliches Leben.  Mir geht es um die Grenze, wo aus freiwilliger Tätigkeit ein Zwang wird. Wo mehr verlangt wird und das um jeden Preis. Die Antreiber können sehr vielfältig sein.  Ein besonderer Wunsch nach Status. Mehr Einfluss und Macht im eigenen Umfeld. Oder aber auch externe Motivatoren, die einen Menschen dazu bringen solche Spiele mitzuspielen, so zum Beispiel Ansehen und Reputation.

Leider ist keiner von uns immun gegen den Konkurrenzdruck.  Bei manchen Menschen fällt dieser aber stärker aus als bei anderen. Häufig sind Personen mit einem fragilen Selbstwertgefühl besonders anfällig für „einen spitzen Ellenbogen“. Sie wünschen sich mehr Aufmerksamkeit   durch scheinbar bessere Leistungen oder ein mehr an Ruhm und Status. Und oft funktioniert dies dann auch. Leistung (egal ob tatsächliche oder vorgetäuschte) wird in unserer Hemisphäre belohnt. Oft ist es dann egal, wie diese sich zusammensetzt oder wie sie erbracht wurde. Um es aber offen zu sagen: nicht jeder Mensch aus diesem Segment ist gleich ein Narzisst oder Soziopart. Ein offener Blick nach rechts und links wird schnell zeigen, wo es auch bei den „normalen Menschen“ vorkommt dass hin und wieder die Form des kooperativen Umganges vergessen wird. Das klassische Angeben ist dabei noch die geringste Ausprägung.

Und da sind wir bei  wohl einem der wichtigsten Punkte. Was ist das Ergebnis von übermäßigen Konkurrenzverhalten und Ellenbogeneinsatz? Dort wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Die Mittel um sich Durchzusetzen sind zumeist nicht immer friedlich. Das klassische Mobbing ist ein wesentlicher Bestandteil um sich gegenüber  anderen durchzusetzen. Da werden einfach Informationen verheimlicht, Termine so gelegt, dass Sie einem selber passen ohne Rücksicht auf Andere oder Kollegen und Kolleginnen in größerer Runde diffamiert oder schlecht gemacht.  Es ist ein gängiges Mittel, sich selber zu erheben dadurch, dass andere erniedrigt werden. Die Folgen sind bekannt. Menschen mit weniger Konkurrenzmotivation oder introvertierter Persönlichkeit riskieren durch einen solchen Umgang Depressionen, Angststörungen oder Belastungsreaktionen. Aber auch anders herum besteht Gefahr. Der Franzose Philippe Thureau-Dangi hat es mit den Worten beschrieben:

Wer sich der Konkurrenz bedingungslos unterwirft, endet mit dem Tod.

Dabei muss es nicht unbedingt der Körper sein, den es betrifft. Viel öfter noch ist es die Seele die bei den Ellenbogen-Menschen stirbt“. Daher noch einmal die Einladung an uns alle: wo finden wir uns hier wieder? Welches Puzzleteil sind wir?

Maik Wickbold

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