Mythos Multitasking
„Ihr Männer seid ja nicht Multitasking-fähig“, kichert es durch das Büro, als Kollege Windeler während eines Kundentelefonats versehentlich seine Excel-Tabelle falsch formatiert hat. Und, was soll ich schreiben, die Kollegin hat damit absolut Recht. Herr Windeler ist wirklich nicht Multitasking-fähig. Was aber auch stimmt ist die Tatsache, dass Herr Windeler sich darüber nicht ärgern muss. Diese Aussage trifft nämlich auch auf so ziemlich alle anderen Menschen ebenfalls zu.

Multitasking war lange Zeit ein Schlagwort für eine performante Arbeitsweise von besonders leistungsfähigen Menschen. Besonders für Angestellte war diese Anforderung immer wieder zu hören, sei es in Stellenbeschreibungen oder in Mitarbeitergesprächen. Bei einigen beratungsresistenten Unternehmen ist dies auch heute noch so. Und warum auch nicht? Ein Mitarbeiter der zwei Sachen zur selben Zeit machen kann ist ja der Traum eines jeden Geschäftsführers bzw. Geschäftsführerin. Und auch wir selber sind bestrebt diesem Bild gerecht zu werden. Wer möchte sich nicht mit solchen Fähigkeiten von all den normalen „low performer“ abgrenzen. Leistung ist eben gesellschaftsfähig und daher ein großer Ansporn für viele Menschen.
Wenn wir uns damit nur nicht in das eigene Knie schießen. Lassen wir uns einmal die Szenerie durch den Kopf gehen. Hier könnten erste Bedenken sich schon bemerkbar machen. Der Multitasking-fähige Mensch macht mehrere Sachen gleichzeitig.
- alle Aufgaben sollen zu Ende geführt werden
- alle sollen fehlerfrei sein
- alle sollen effizient erledigt werden
Hört sich schon ein wenig knifflig an, oder? Und unser Bauchgefühl wird uns nicht täuschen. Die Wissenschaft hat es versucht zu erforschen. Verschiedenste Experimente unterschiedlicher Universitäten (Utah, Aachen, Harvard, Stanford u.v.m.) wurden zu dem Thema durchgeführt. Alle haben eine Gemeinsamkeit: Bei der Tätigkeit an mehreren Bereichen fällt die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns rapide. Sucht es euch aus, welche Formulierung euch besser gefällt:
„Mit Multitasking handelt ihr wie betrunkene Menschen“
oder
mit „Multitasking nähert ihr euch dem Stadium eines Kindes an“.
Wie auch immer, das Ergebnis ist ähnlich. Aber warum schwören manche Menschen auf diesen Arbeitsstil und warum scheinen manche Menschen hier besser zu sein als andere. Die Frage kann man beantworten. Das, was wir als Multitasking verstehen ist in Wirklichkeit das Abarbeiten von Aufgaben nacheinander, also seriell. Aber unser Gehirn macht dies in einer immensen Geschwindigkeit. Es schaltet immer wieder von Tätigkeit A zu Tätigkeit B. Für uns erscheint dies als gleichzeitig. Das lässt sich sogar trainieren wenn man mag. Allerdings bringt dies nichts. Experimente, bei denen Multitasking erprobte Menschen gegen Multitasking Anfänger antraten haben gezeigt, dass letztere schneller und fehlerfreier waren. Einfach weil diese Personengruppe Aufgaben besser nach Relevanz und Arbeitsintensität einteilen konnten und sich nicht von neuen Reizen ablenken ließen.
Tja, und nun? Den Menschen zu überreden sich zu ändern wird nicht funktionieren. Frei nach Friedrich II:
„Jeder soll nach seiner Facon selig werden“. Aber vielleicht reflektiert der eine oder andere von uns einmal sich selbst zu diesem Thema und entscheidet etwas zu ändern?! Und wenn nicht, versucht wenigstens nicht die WhatsApp beim Fahren im Auto gleichzeitig zu schreiben 😉
In dem Sinne…
Maik Wickbold

